Geburtstag von Herrn Professor Hubert Rohde

Laudatio von Herrn Dietrich Lincke

 

Geburtstag von Herrn Professor Hubert Rohde
Dietrich Lincke, Botschafter a.D.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Freunde vom Ensheimer Kreis und vom Trägerwerk Soziale Dienste!


Wir haben uns hier versammelt, um unseren geistigen Vater und Gründervater Herrn Professor Hubert Rohde zu ehren, der heute seinen 85.Geburtstag begeht. Leider kann er aus gesundheitlichen Gründen nicht an unserer Feier teilnehmen, und so senden wir ihm unsere Grüße zu seinem Ehrentag nach Hildesheim, wo ihn seine Tochter Daniela betreut.
Professor Rohde ist uns allen ein Vorbild in seiner umfassenden Bildung, seinem feinsinnigen Humor und seiner Menschlichkeit. Er ist der Prototyp des Herrn alter Schule und des klassischen Bildungsbürgers. Sein umfassendes Wissen ist gepaart mit ausgeprägtem Einfühlungsvermögen. Dies ist der Schlüssel dafür, daß er andere Menschen so leicht für seine Ideen und Konzepte gewinnen kann.


Die Grundlagen schuf bereits die Schulzeit im Gymnasium in Hildesheim, auch wenn sie überwiegend in den Zweiten Weltkrieg fiel. Nur wenige Monate trennten ihn davon, noch eingezogen zu werden, was vielen seiner Generation nicht erspart blieb - oft mit tragischem Ausgang. Er konnte bald nach dem Krieg mit dem Studium beginnen, und er hat diese Möglichkeit voll ausgeschöpft. Die Wahl seiner Fächer ist von eindrucksvoller Vielseitigkeit: Pädagogik, sein späteres akademisches Betätigungsfeld; Philosophie und Theologie; Kunstgeschichte und Archäologie. Aus all diesen Quellen schöpft er bis heute. Sein Studium war auch geographisch weit angelegt: Frankfurt a.M. und München, Innsbruck und Salzburg, also im ganzen deutschen Kulturkreis, darüber hinaus Dublin. 1953 schloß er die Studienzeit mit dem Dr.phil. ab.


Dieses breit angelegte Studium entsprach alter deutscher Tradition, die der Nationalsozialismus auf die Seite gedrängt hatte und die man nach dem Kriege umso dankbarer wieder aufgriff. Niemand verkörperte die klassischen deutschen Bildungstraditionen, an die man anknüpfen konnte, besser als der damalige Bundespräsident Theodor Heuss, auch er ein Prototyp des deutschen Bildungsbürgers. Es mag vermessen klingen; aber ich habe oft an die Parallele gedacht, wenn ich die frei gehaltenen Vorträge von Professor Rohde vor unserem Kreise hörte, die einen so weiten Bogen spannen können. Zur tiefen Bildung kommt das Talent, sie einem großen Personenkreis zu vermitteln.


Das war sicherlich der Schlüssel zu seiner erfolgreichen akademischen Lehrtätigkeit. Sie begann, wie Sie wissen, 1959 an der PH Paderborn, bis er 1962 an die PH Saarbrücken,,, die Peter-Wust-Hochschule", sein endgültiges Wirkungsfeld, wechselte, wo er schon 1965 als ordentlicher Professor den Lehrstuhl für historische und systematische Pädagogik erhielt. Praktisch unmittelbar danach wurde er auch Rektor der Hochschule.

Schon bald nach seiner Ankunft im Saarland übernahm er das Ehrenamt des Bürgermeisters in seinem Wohnort Heckendahlheim. So kamen zu seiner Beliebtheit als Hochschullehrer das Ansehen und die Resonanz hinzu, die ihm seine ehrenamtliche Tätigkeit bei den Mitbürgern in der Region verschaffte.


Dies war auch der Einstieg in einen neuen Lebensabschnitt. 1969 regte die örtliche CDU, deren Mitglied er war, an, daß er 1970 für den saarländischen Landtag im Wahlkreis St.Ingbert kandidieren solle. Eine eindrucksvolle Zahl seiner Anhänger, Studenten wie politisch engagierte Mitbürger gründeten eine „Wählerinitiative für Professor Dr. Hubert Rohde". Seine Kandidatur wurde l970 durch ein brillantes Ergebnis gekrönt. Aus dem Unterstützerkreis entstand der Ensheimer Kreis als „Arbeitskreis für Kultur- und Gesellschaftspolitik", der sich nun schon über Jahrzehnte einer beachtlichen Dauerhaftigkeit erfreut.


Die Kultur- und Gesellschaftspolitik hatte Professor Rohde in den Mittelpunkt seines politischen Engagements und seines Wahlkampfs gestellt. Dies wurde mit seiner Wahl zum Vorsitzenden des Kulturpolitischen Ausschusses und später zum Vizepräsidenten des Landtags honoriert. Seine Arbeit in diesen Ämtern fiel auf fruchtbaren Boden und fand breite Anerkennung. Damit wurde er zu der geeigneten Persönlichkeit für die Leitung des Saarländischen Rundfunks. 1977 wurde er zum Intendanten gewählt, was allerdings sein Ausscheiden aus dem Landtag mit sich brachte. Von 1977-88 nahm er diese kultur- und gesellschaftspolitische Schlüsselfunktion mit durchgreifendem Erfolg wahr. Die Gründung der Saarlandwelle geht auf seine Initiative zurück. Darüber hinaus übte er im deutschen Rundfunk und Fernsehen erheblichen Einfluß aus - mehr als die Größe seines Einzugsbereichs vermuten läßt. Die Mitgliedschaft und aktive Mitwirkung in den Gremien der ARD (Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland) bot ihm dafür viele Ansatzpunkte. Rundfunk und Fernsehen waren für ihn geeignete und wirksame Mittler, um der Kulturpolitik Breitenwirkung zu verschaffen.


Ganz besonders lag ihm dabei eine Vertiefung der Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich am Herzen, für die gerade das Saarland einen fruchtbaren Boden bietet. So wurde er Vorsitzender der Deutsch-Französischen Hörfunkkommission und Stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Französischen Fernsehkommission.


Dieses Engagement wurde zum tragenden Pfeiler seiner nächsten Wirkungsphase nach der Intendantur im Saarländischen Rundfunk. Er übernahm vielfältige Aufgaben in der Gesellschaftspolitik, der Kultur und in humanitären Bereichen. An der Spitze stand dabei seine Tätigkeit als Generalsekretär im Deutsch-Französischen Kulturrat, die er von 1988-2001 wahrnahm. Für seine Verdienste um die deutsch-französische Verständigung wurde er mit dem Kreuz der Ehrenlegion ausgezeichnet.


Sein außenpolitisches Engagement erfaßte auch andere Felder: Er war jahrelang Vorsitzender des deutsch-amerikanischen Instituts in Saarbrücken. Später gründete er mit dem irisch-amerikanischen Maler Matt Lamb die Schengen Peace Foundation. Beide Männer verband der praktische Einsatz der Kultur für den Frieden.


Dem Bereich der Wissenschaft und Lehre blieb Professor Rohde stets verbunden, z.B. durch seinen Vorsitz im Kuratorium der katholischen Fachhochschule für das Sozialwesen in Saarbrücken. 1982 gründete er die Peter-Wust-Gesellschaft zur Pflege des Gedankenguts dieses einflußreichen katholischen Theologen, der von 1884-l940 lebte, Saarländer war und - auch zum Namensgeber für die Pädagogische Hochschule Saarbrücken, die alma mater von Professor Rohde als Hochschullehrer, wurde. Von 1982- 2004 blieb er Präsident dieser Gesellschaft, seitdem Ehrenpräsident.


Außerdem war er Gründer und langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft zur Förderung des Saarländischen Kulturbesitzes.
Im humanitären Bereich wirkte er als Ordenskanzler des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, der Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen im Heiligen Land fördert. Er war ferner Vorsitzender und Ehrenvorsitzender der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft des Saarlandes. Und - last not least - gehört er dem Kuratorium des Trägerwerks Soziale Dienste an, was mir die Ehre verschafft hat, heute zu Ihnen zu sprechen. Wir sind im Kuratorium stolz darauf, ihn als Mitglied zu haben. Wir verdanken ihm viele wertvolle Anregungen im Laufe der Jahre. Vor allem aber gilt auch für uns sein „Wahlspruch" aus der Wahl 1969/70 : „Bildungspolitik ist Sozialpolitik". Das ist aber mehr als ein Wahlspruch; es ist eine Grunderkenntnis - wie eine mathematische Gleichung. Man kann sie daher auch umkehren: Sozialpolitik ist Bildungspolitik. Das Trägerwerk hat immer wieder danach gehandelt, z.B.
- bei der Gründung der Akademie Rosenhof, in der auch der Ensheimer Kreis Mitglied ist;
bei der ( Wieder)-Gründung des Bertuchverlags, mit seinen Zeitschriften in wichtigen sozialen und humanitären Bereichen,
bei dem Einsatz kultureller Aktivitäten in sozialpolitischen Projekten wie dem neuen Theater für behinderte Kinder in Reinsdorf bei Landsberg und bei den jährlichen Aufführungen im Sozialtherapeutischen Wohnzentrum Wippra.
Dies sind einige Beispiele, die zeigen, wie im Trägerwerk die Konzepte von Professor Rohde zum Tragen kommen. Seine Mitwirkung im Kuratorium war für uns stets wichtig und richtungweisend. Unser Dank und unsere Glückwünsche gelten einer im ursprünglichen Sinne des Wortes humanistischen Persönlichkeit, die uns Vorbild ist.

 

Geburtstag von Herrn Professor Hubert Rohde
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