Päpstliche Friedensbemühungen im Ersten Weltkrieg

Vortrag von Prof. Dr. Stefan Samerski

Professor Dr. Samerski  (1963 in Köln geboren, 1982-1988 Studium der Kath. Theologie, Geschichte und Kunstgeschichte in Bonn und Rom; 1984-1991 Angestellter am Institut für Kirchengeschichte der Kath.-Theol. Fakultät der Universität Bonn; 1991 Promotion mit einer kirchenhistorischen Arbeit zum Dr. theol. durch die Kath.-Theol. Fakultät Bonn; 1991-1997 Edition der Akten der Kölner Nuntiatur am Römischen Institut der Görres-Gesellschaft (Vatikan); 1997-2000 Stipendiat der Görres-Gesellschaft zur Vorbereitung der Habilitation im Fach Kirchengeschichte; Juli 2000 Habilitation an der Kath.-Theol. Fakultät der Universität München im Fach Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit) beleuchtete in seinem Vortrag diese historische  Seite im 1. Weltkrieg, die durch die Überlagerung der politischen Bewertungen und Gewichtungen der Ereignisse der damaligen Zeit weitgehend unbekannt geblieben ist.

Prof. Stefan Samerski stellte seinen Ausführungen die damalige Maxime des Hl. Stuhls voraus:  Den Frieden erhalten!

Leider wurde dies, wie auch die folgenden Bemühungen des Papstes von den  politischen Kräften in den Ereignissen der damaligen Zeit ignoriert.

Vorgeschichte:

Im Laufe der Staatsbildung Italiens durch  Guiseppe Garibaldi (1807-1882), der Rom als die natürliche Hauptstadt Italiens ansah, wurde Papst Pius IX. zum „Gefangenen des Vatikans“. Als 1870 nach dem Beginn des Deutsch-Französischen Krieges die französischen Schutztruppen aus Rom abgezogen worden waren, lösten italienische Truppen den Kirchenstaat nach der Einnahme Roms auf. Der Papst zog sich in den Vatikanpalast zurück. Der Vatikan sowie der Lateran und die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo blieben weiterhin unter der (bis 1929 vom italienischen Staat nur faktisch geduldeten) Oberhoheit des Papsttums.

Die Lateranverträge vom 11. Februar 1929, abgeschlossen zwischen dem Heiligen Stuhl (vertreten durch Kardinalstaatssekretär Pietro Gasparri) und dem damaligen Königreich Italien (vertreten durch den faschistischen Ministerpräsidenten Benito Mussolini), klärten endgültig die so genannte Römische Frage, den Status der Vatikanstadt nach der Auflösung des Kirchenstaats 1870. Der Papst wurde dadurch zum „Territorialherren“, seine politische Einflussnahme stark eingeschränkt.

Benedikt XV. , der Friedenspapst

Nicht unumstritten ist bei Historikern die  Haltung Pius X. (Giuseppe Melchiorre Sarto; * 2. Juni 1835 in Riese, Lombardo-Venetien; † 20. August 1914 in Rom) beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Sein Nachfolger, Benedikt XV. ( Giacomo della Chiesa; * 21. November 1854 in Genua, Königreich Sardinien; † 22. Januar 1922 in Rom) war Papst von 1914 bis 1922. Auf Grund seines engagierten Auftretens gegen den Ersten Weltkrieg wurde er als Friedenspapst bekannt.

Prof. Samerski machte in seinen Ausführungen sehr deutlich, dass die päpstlichen Appelle zum Frieden verhallten, da die beteiligten Mächte stark national tendierten (Nationalismus), seine Möglichkeiten medial eingeschränkten waren, sowie durch Tatsache, dass die Entscheidungen weitgehen von der militärischen Führung  und nicht der politischen Führung getroffen wurden.

Besonders bekannt wurde Dès le début, die Friedensnote Benedikts XV. am dritten Jahrestag des Kriegsbeginns (1. August 1917). Darin schlug der Papst als neutraler Vermittler allen kriegführenden Mächten Friedensverhandlungen vor. Er forderte Abrüstung, eine effektive internationale Schiedsgerichtsbarkeit zur Vermeidung künftiger Kriege und den Verzicht auf Gebietsabtretungen. Damit wurden vom Vatikan wesentliche Grundzüge der internationalen Friedensbewegung der Vorkriegszeit aufgegriffen. Der Plan wurde ausgeschlagen, da sich jede der Kriegsparteien als durch ihn benachteiligt ansah. Der Vatikan wurde sogar von den Verhandlungen zum Waffenstillstand ausgeschlossen. Seine am 23. Mai 1920 veröffentlichte Enzyklika Pacem, Dei munus pulcherrimum war ein Plädoyer für die Versöhnung der Völker. Benedikt wandte sich darin gegen die harten Maßnahmen der Sieger im Friedensvertrag von Versailles. Erfolgreich waren lediglich die sozial-karitativen Bemühungen um die Gefangenen und die Zivilbevölkerung sowie um die Linderung der „Hungerkatastrophe“, verursacht durch die britische  „Hungerblockade“.

Zu diesen Friedensbemühungen gehört auch die Entsendung Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacellis, (* 2. März 1876 in Rom; † 9. Oktober 1958 in Castel Gandolfo), des späteren Papst Pius XII., als Nuntius nach München (20. April 1917). 1917 treffen Pacelli und Kaiser Wilhelm in Bad Kreuznach in einem Geheimtreffen  zusammen und sprechen sich für  einen Frieden auf Grund des Selbstbestimmungsrechtes der Völker aus.

1918 sendet der Papst Sondergesandte nach Paris und Belgien, deren Initiative aber von dem amerikanischen Präsidenten Thomas Woodrow Wilson (* 28. Dezember 1856 in Staunton, Virginia; † 3. Februar 1924 in Washington, D.C.) ignoriert wurde, da es ihm in erster Linie um die Gründung des Völkerbundes ging (an dem der Vatikan dann nicht teilnahm).

 

So setzten Frankreich und England den sog. „Revanchefrieden“ (Versailler Vertrag, 1919) durch.